arte
Rätselhafte Charlotte Rampling
Kultur, Künstlerinnenporträt • 01.04.2025 • 02:20 - 03:15
Ihre Arbeit am Set von Filmen, wie hier in „Die Verdammten“ von Luchino Visconti, spielte für Charlotte Rampling eine wichtige Rolle in der Traumabewältigung des Suizids ihrer Schwester.
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Charlotte Rampling ist ein Star mit einem vielzitierten Blick, den man so leicht nicht vergisst.
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Charlotte Rampling liest aus ihren Tagebucheinträgen vor und führt so durch die Dokumentation.
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Charlotte Rampling beim Dreh von „Stardust Memories“, einem Film des Regisseurs Woody Allen
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Originaltitel
L'énigme Charlotte Rampling
Produktionsland
F
Produktionsdatum
2022
Kultur, Künstlerinnenporträt
Charlotte Rampling ist ein Star mit einem vielzitierten Blick, den man so leicht nicht vergisst. Einen ersten großen Erfolg feierte die britische Schauspielerin 1969 in Luchino Viscontis "Die Verdammten", ein dunkles Familien- und Politdrama über die Verstrickungen einer deutschen Industriellenfamilie mit dem Nationalsozialismus. International Aufsehen erregte sie 1974 mit dem Skandalfilm "Der Nachtwächter", der eine sadomasochistische Beziehung einer KZ-Überlebenden mit ihrem ehemaligen Peiniger schildert. Die Sinnlichkeit, mit der Rampling diese bizarre Rolle spielte, forderte das Publikum heraus und prägte ihr Image nachhaltig. Mittlerweile sind es beinahe sechs Jahrzehnte, in denen Charlotte Rampling die europäische und US-amerikanische Filmwelt mit ihrem eindringlichen Spiel und ihrer rätselhaften Aura bereichert. Für ihr Lebenswerk wurde sie 2019 bei der Berlinale ausgezeichnet. Die seit ihrer Kindheit in Frankreich lebende Britin brach in den 60er Jahren ins Swinging London auf und erlebte dort sorgenfreie Jahre losgelöst von ihrer Familie, in der man auf Disziplin großen Wert legte. Sie arbeitete zunächst als Model und kam dann zufällig zum Film, wie so viele ihrer Schauspielkollegen. Doch die unbeschwerte Zeit nimmt ein abruptes Ende, als 1967 ihre geliebte ältere Schwester Suizid begeht. Das Kino wird zu ihrer Berufung und Rettung. Die Begegnungen und die Arbeit am Set mit Luchino Visconti ("Die Verdammten"), Liliana Cavani ("Der Nachtportier"), Woody Allen ("Stardust Memories"), Nagisa Oshima ("Max mon amour"), François Ozon ("Unter dem Sand", "Swimming Pool") und vielen anderen werden ein wichtiger Teil ihrer Traumabewältigung. Mit der Wahl ihrer Rollen beweist Rampling bis heute, dass sie das Geheimnisvolle, die Provokation und Gefahr den leicht zugänglichen Stoffen und Rollen vorzieht. Den roten Faden dieser Dokumentation bilden Tagebuchauszüge, die Charlotte Rampling selbst vorträgt. Dadurch offenbart sie ihr Innerstes, ihre Verletzlichkeit und Stärke; es wird deutlich, wie sie sich sucht, hinterfragt und dem Publikum öffnet.