Nach der russischen Vollinvasion in der Ukraine und der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump steht Europa vor einer existentiellen Frage: Kann es sich in dieser neuen Weltordnung behaupten oder droht der Kontinent zwischen den Fronten zerrieben zu werden? Das ist die Kernfrage, die ab Freitag auf der Münchner Sicherheitskonferenz diskutiert wird. Kanzler Friedrich Merz hat in seiner Eröffnungsrede den Ton gesetzt: Europa wolle mehr Verantwortung in der transatlantischen Partnerschaft übernehmen, wovon nicht nur der alte Kontinent profitiere, sondern auch die USA selbst. Gleichzeit hat er klar gemacht, dass er den Kulturkampf der Maga-Bewegung nicht mittragen will. Damit ist klar: Merz setzt trotz aller Differenzen weiter auf das Beistandsversprechen der US-Amerikaner. Wie verlässlich ist das? Ist das Angebot des französischen Präsidenten Macron einer nuklearen Teilhabe vielleicht eine Alternative? Immerhin hat Merz das Gesprächsangebot als erster deutscher Kanzler angenommen. Der Kanzler bekräftigte darüber hinaus den Anspruch, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee in Europa zu machen und in Abstimmung mit den europäischen Partnern eine Führungsrolle zu übernehmen. Aber wie genau soll die aussehen? Wie und bis wann ist Europa in der Lage, sich selbst zu verteidigen für den Fall, dass Putin ernst macht und die NATO angreift?